Ein Gespräch über Ashtanga Yoga und Spiritualität mit Binh Le.

Ein Gespräch über Ashtanga Yoga und Spiritualität mit Binh Le.

Lieber Binh, wir freuen uns, dass du Teil der OGNX Family bist. Wir hatten viel Spaß beim Shooting. Hat’s dir auch gefallen? :)

Ja sehr. Normalerweise fühle ich mich unwohl, wenn ich im Mittelpunkt stehe. Aber die Atmosphäre war sehr angenehm und das gesamte Team hat sich Mühe gegeben, so dass ich mich sofort wohl gefühlt habe und ganz authentisch sein konnte.

Wenn man in deiner Gegenwart ist bemerkt man ganz schnell, dass du eine große Ruhe ausstrahlst, du wirkst sehr entspannt und ausgeglichen.

Denkst du diese Ausgeglichenheit hast du deiner Ashtanga Praxis zu verdanken?

Ashtanga kann, muss aber nicht zwangsläufig zu einer ausgeglichenen Persönlichkeit führen. So wie ich das beobachten konnte, sowohl an Schülern als auch an mir selbst, bedarf es ein gewisses Maß an Achtsamkeit und Bewusstsein, um das volle Potential einer Praxis ausschöpfen zu können.
Es muss auch nicht unbedingt Ashtanga sein. Ich kenne viele Sportler, die in ihrer Disziplin ein hohes Grad an Bewusstsein erlangt haben, ohne Yoga oder Meditation. Meine Ashtanga Praxis ist ein Werkzeug von vielen, das mir hilft, bewusster und freier durch mein Leben zu gehen.

Warum übst du Ashtanga, was ist deiner Ansicht nach das Besondere an diesem Yoga Stil & Was bedeutet Yoga für dich?

Ich habe damals mit Hatha Yoga angefangen, über Sivananda Yoga bin ich dann zum Vinyasa Flow gekommen. Aber ich tat mich immer schwer mit der Musik und den permanenten Ansagen und Weisheiten der Lehrer.

Ich hatte vom ersten Moment an, als ich das Wort Ashtanga gehörte hatte, ohne zu wissen was das überhaupt ist, ein Gefühl, dass es etwas für mich wäre.

Was mich fasziniert an diesem Stil, ist die Magie hinter jeder Asana, Vinyasa und Sequenz. Im Gegensatz zu anderen Stilen finde ich, dass Ashtanga sehr pur und ehrlich ist. Es zeigt Dir sehr schnell Deine Grenzen, aber ebenso Deine Möglichkeiten.

Man kann Ashtanga auch als ein Gemälde betrachten. Der Rahmen um die Leinwand ist in unserem Fall der feste Ablauf der jeweiligen Serie und die Leinwand ist unser Geist. Wir haben während des Praktizierens die Möglichkeit diese Leinwand zu gestalten.

Wir könnten ganz expressionistisch die leere Wand mit tausenden Farben besprenkeln, oder aber, was für mich magisch ist, den Pinsel anlegen und zusehen, was passiert.

Das Wort „Yoga“ ist leider im Laufe der Zeit und im Zeitalter der digitalen Kommunikation ein wenig abgeschliffen und hinterlässt, zumindest bei mir, einen schalen Geschmack im Mund. Aber wenn die Übersetzung stimmt und Yoga tatsächlich „Einigkeit/ Verbundenheit“ bedeutet, ja dann bedeutet Yoga für mich ein authentisches und erfülltes Leben zu führen.

In deinen Retreats und auch in deinem Unterricht geht es selten nur um die Technik im Ashtanga, du beschäftigst dich gerne mit den Menschen und ihren ‚Konflikten‘.

Ich beschäftige mich gerne mit ihrem Potential und Möglichkeiten, die nicht voll ausgeschöpft sind.Mein Ziel ist es, dass jeder Mensch sein volles Potential lebt. Ashtanga kann dafür als Werkzeug dienen und uns bei diesem Ziel unterstützen.

Geht es Dir in deinem Yoga Unterricht dann neben der ‚Technik‘ auch darum deinen Schülern Ashtanga als einen Therapieansatz für Körper und Geist näherzubringen?

Ich hoffe, dass jeder, der zu mir in den Unterricht kommt, inspiriert wird, mehr zu machen. Nicht zwangsläufig nur im Yoga, aber in jedem Bereich.

Die beste Therapie ist noch immer „glücklich sein“. Manchmal musst du durch eine harte Zeit gehen, bevor du wieder dorthin gelangst. Aber wenn Du eine Vision von Dir hast und Du wirklich mit Leidenschaft dafür brennst dich dorthin zu entwickeln, dann steht Dir nichts im Weg. Mein Ziel ist es, diese Leidenschaft zu entfachen. Der Rest kommt von selbst.

Dein nächstes Yoga Retreat findet im Mai in der Türkei statt und heißt Ashtanga und die Suche nach Freiheit. Was bedeutet Freiheit für dich?

Auch hier hat das Wort „Freiheit“ bereits zu viele Konzepte und Diskussionen erlebt, als das wir noch ganz entspannt darüber reden könnten.

Was mich persönlich interessiert, ist die Freiheit, von der ich gar nicht weiß, dass sie existiert. Mein Leben ist dieser Suche gewidmet. Sei es im Ashtanga oder woanders. Und da dieser Weg alleine langweilig wäre, nehme ich soviel Menschen mit wie möglich.

 

Was für einen Einfluss hat Yoga deiner Erfahrung nach auf Geist und Wesen?

Die physische Yoga Praxis kann ein schöner Ausgleich zu unserem Alltag sein. Sie kann uns wieder ausbalancieren vom Stress und der Hektik.

Je nach dem, wie sehr wir auf die Yoga Praxis eingehen und bereit für Veränderungen sind, kann eine reguläre Praxis verborgene Konflikte, Ängste etc. hervorholen und manchmal sogar beheben. Also, ja, wenn wir es zulassen, kann Yoga einen großen Einfluss auf uns nehmen.

Und wenn nicht, dann haben wir zumindest etwas für unseren Körper getan.

Wer Binh live und in Action erleben will, wenige Plätze in der Türkei sind noch frei! Außerdem unterrichtet Binh ein Mysore Programm in München bei Patrick Broome.

Mehr Infos zu Binh’s Unterricht und Retreats auf www.yogabinhle.com Mehr Info zu Binh's Unterricht und Retreats auf www.yogabinhle.com